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Die Geschichte der Fliesenproduktion in Braunschweig
In Braunschweig wurden früher gute Fliesen produziert!

 
Wer erinnert sich noch an die „Marienberger Mosaikplattenfabrik AG, Werk Broitzem“? Oder noch früher, an die Firma Bautler? Aber der Reihe nach:
 
1873 gründete Hans Bautler eine Dampfziegelei, und zwar da wo er guten Ton fand, in Braunschweig-Broitzem. Dort stellte er zunächst Ziegelsteine her.

Ab 1910 werden feinkeramische Erzeugnisse hergestellt. Absolut wetterfestes Steinzeugmaterial, heute würde man sagen frostsicher, mit Scharffeuer-Kunstglasuren, rotbraunes Terracottamaterial, glasierte und unglasierte Baukeramik, spezielle Bodenplatten und plastische Keramik wie Figuren an Portalen, Brunnen oder Empfangsgebäuden.

Aus diesem Werk stammen die Wandfliesen im Gebäude der Bezirksregierung in Braunschweig am Bohlweg.

Das Unternehmen erarbeitete sich mit hoher Qualität einen guten Ruf bei Architekten und Auftraggebern in Deutschland und darüber hinaus.

Leider wurde das Werk, wahrscheinlich in den Folgen des 1.Weltkriegs, 1917 stillgelegt.

1921 gründete das in Marienberg in Sachsen (Gründungsjahr 1890) ansässige Stammwerk einen Zweigbetrieb in den Gebäuden der 1917 stillgelegten Wandfliesenfabrik Bautler & Co. in Broitzem bei Braunschweig.

Nur das Broitzemer Werk der Marienberger Mosaikplattenfabrik konnte nach dem 2. Weltkrieg die Produktion wieder aufnehmen, weil die Sowjets 1945 das Hauptwerk in Sachsen demontierten (Reparation).
 
Nach der Währungsreform stieg das Broitzemer Werk zu einem bedeutendem Fliesenhersteller in der Bundesrepublik Deutschland auf. Sein Marktanteil an Wandfliesen betrug 1958 ca. 14 % und an Bodenfliesen ca. 4 % der deutschen Produktion. Man legte grössten Wert auf Qualität. Bei den patentierten „kalibrierten Wandfliesen“ mit bestmöglicher Massgenauigkeit war man Marktführer. In der Blütezeit des Unternehmens beschäftigte man fast 1000 Arbeitnehmer und war damit einer der größten Arbeitgeber im Landkreis Braunschweig.

Die in einem Werk in Boizenburg an der Elbe produzierten „DDR-Devisenbringer“ und Italien-Billigimporte bewirkten Umsatz- und Gewinneinbuße. Der gute Ruf der Firma, welche die Rohstoffe Ton, Kaolin, Quarzsand und die Glasuren für die Farbgebung der Fliesen immer in allerbester Qualität
einzukaufen pflegte, ging dahin, als man auf die „billige Linie“ umschwenkte.

Gespart wurde auch, weil man die alten Produktionsanlagen nicht früh genug durch moderne ersetzte. Die Qualität der Produkte ließ so sehr nach, dass man an Reklamationen zu ersticken drohte. Das Werk geriet in die Verlustzone und entschloss sich erst dann zum Bau neuer Anlagen, als es bereits zu spät war.

Der Probelauf der neuen Anlage endete 1966 im Fiasko. Die Bank war nicht mehr bereit, sich für das Werk zu engagieren. Im September 1966 wurde das Konkursverfahren eröffnet. Nach der Konkurseröffnung kaufte der Fachverband der keramischen Wand- und Bodenfliesenindustrie den Betrieb auf und ließ ihn ausschlachten, um so für immer eine Konkurrenz für die übrigen deutschen Wand- und Bodenfliesenwerke auszuschalten.

Nach Verkauf aller Vermögenswerte und des 20 ha Grundbesitz konnten alle Gläubiger abgefunden werden.
 
Jeder, der bei der Sanierung alter Fliesenbeläge eine abgestemmte Fliese mal von hinten betrachtet und dabei das stilisierte „M“ sieht, sollte sich an die keramische Vergangenheit aus dem Braunschweiger Land erinnern!
 
Nach Aufzeichnungen von Heimatpfleger Dieter Heitefuß und Herrn Gisbert Goldfuß. Zusammengefasst von Reinhard Hecker.

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